StLu-Band 21 - Kellermann: Gerhard Tersteegen - als Sachwalter der Reformation - eBook
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Ulrich Kellermann
Gerhard Tersteegen - als Sachwalter der Reformation
Studienreihe Luther 21
208 Seiten | 15,2 x 22,2 cm
Paperback
ISBN
978-3-7858-0836-8
Inhaltsverzeichnis und Leseprobe
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Die Studie setzt ein mit einer kurzen Biographie des reformierten
pietistischen Mystikers. Sie weist auffallende Ähnlichkeiten in der
geistlichen Entwicklung Gerhard Tersteegens und des jungen Martin Luther
auf, die in beider tief gründender Religiosität und Verwurzelung in der
mittelalterlichen Mystik beruhen. Auffallend bleibt Tersteegens Nähe
zum Luthertum in den Zitaten Luthers und seiner Lieder sowie seine Nähe
zu mystisch und pietistisch orientierten Lutheranern, wenngleich seine
Theologie bewusst auf der Grundlage des Heidelberger Katechismus als
Urkunde der Reformation steht.
Sein Werk „Auserlesene
Lebensbeschreibungen heiliger Seelen“ macht ihn zu Unrecht
katholisierender Tendenzen und des Verrats an der Reformation
verdächtig. Das Kapitel über Tersteegens Leben mit und aus der Bibel
zeigt, wie stark dieser in der Auffassung der Schrift auf dem Boden der
Reformation steht, wenngleich er die Bibel vor allem als ein den Leser
stets aktuell ansprechendes Medium des Heiligen Geistes versteht. Die
Bedeutung der Gewissensfreiheit in Gebundenheit an die Heilige Schrift
im Geist der Reformation wird am Beispiel seiner Abstinenz vom Abendmahl
(ohne vorherige Beichte) gezeigt. Seine Rechtfertigungslehre erstellt
Tersteegen unter Vermeidung der Berufung auf die Reformation neu aus
seinem Umgang mit der Bibel und aus der Dynamik seiner eigenen
mystischen Glaubenserfahrung heraus, wobei für ihn die Rechtfertigung
und die Heiligung als deren Effektivität untrennbar zusammenhängen.
Es
bleibt erstaunlich, wie der Laientheologe Tersteegen die inneren
Bewegungen des reformatorischen Rechtfertigungsglaubens ohne
nennenswertes Studium der Reformatoren neu erfasst und nachgezeichnet
hat. Am Schluss steht die offene Frage: War Tersteegen Sachwalter der
Reformation oder hat er die Reformation zum Sachwalter seiner Theologie
gemacht?